Jane Flax: Der Skandal des Begehrens
Jane Flax. Der Skandal des Begehrens: Psychoanalyse und Geschlechterbrüche - Gedanken zu Sigmund Freuds Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. In: Eva Waniek, Sylvia Stoller (HG.). Verhandlungen des Geschlechts. Zur Konstruktivismusdebatte in der Gender-Theorie. Wien, 2001.
Jane Flax befasst sich mit dem "Skandal des Begehrens" in Freuds Werk, genauer: in seinen Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. Sie nennt dabei acht Manifestationen des Skandals, die allerdings nicht alle komplett unabhängig voneinander sind. Im Folgenden ein sehr kurzer Überblick:
Was ich ausserdem interessant fand, war eine These die Flax im Hinblick auf sexuelle Identitäten formuliert:
[A]ngesichts der Labilität und der Zufälligkeit der Objektwahl hätte sich Freud gegen die gegenwärtige Tendenz gestellt, Identität durch die Objektwahl zu definieren oder zu stabilisieren. Er glaubte nicht, dass das Geschlecht unseres Sexualpartners bestimmend dafür ist, wer wir sind. (S. 71)
(Wobei ich hier spitzfindigerweise noch anfügen möchte, dass das Geschlecht eines Sexualpartners natürlich immer männlich ist ;-) ).
Jane Flax befasst sich mit dem "Skandal des Begehrens" in Freuds Werk, genauer: in seinen Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. Sie nennt dabei acht Manifestationen des Skandals, die allerdings nicht alle komplett unabhängig voneinander sind. Im Folgenden ein sehr kurzer Überblick:
- Körpergebundenheit der Menschen: Durch Freuds Ausführungen wird klar, dass Menschen sich ihrer Körperlichkeit nicht entziehen können. Gleichzeitig wird durch das Begehren, das an der Grenze zwischen dem Psychischen und dem Somatischen verortet ist, die Trennung von Körper und Geist aufgehoben. Im Unterschied zum Hunger, der eine existentielle Notwendigkeit ist und sich ausschliesslich physisch befriedigen lässt, "schliesst [das Begehren] auch mentale Repräsentationen seines Wunsches und Objektes, mit ein", "geht hartnäckig über das Nützliche hinaus". (S. 63)
- Die Unfähigkeit der (Natur-)Wissenschaft, das Begehren zu untersuchen: Da das Begehren sich nicht auf das Physische beschränkt, ist die Naturwissenschaft mit ihrem Fokus auf organische und chemische Vorgänge und ihrem Materialismus nicht in der Lage, das Begehren zu untersuchen. Aus diesem Grund ist eine neue Wissenschaft erforderlich, die Psychoanalyse, die eine Grenzwissenschaft zwischen Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften darstellt. (Nebenbemerkung: Es ist interessant, dass mit der momentan boomenden Neuropsychologischen Forschung die Psychoanalyse zunehmend auf die Seite der Naturwissenschaften gezogen wird. Mit dem angeblichen "Beweis" der Psychoanalyse durch die Messung von Hirnströmungen wird die Psychoanalyse von den Naturwissenschaften legitimisiert, verliert so aber gleichzeitig ihren Bezug zu den Geisteswissenschaften.)
- Vermischung von "normal" und "abweichend": Normalität wird als soziale Konvention entlarvt und verliert damit ihren Wahrheitsanspruch.
- Verkörperung der Erkenntnis: Nicht nur der Mensch ist körpergebunden. Dadurch dass alle wissenschaftlichen Erkenntnisse ihre Wurzeln im Begehren haben, wird auch das wissenschaftliche Subjekt mitsamt seiner Produkte und aller Formen der Erkenntnis verkörpert.
- Untergrabung der Grenzlinie zwischen Natur und Kultur: Wie bei der Aufhebung der Grenzziehung zwischen normal und abweichend, wird auch die Grenzlinie zwischen Natur und Kultur, zwischen zivilisiert und unzivilisiert von der Psychoanalyse untergraben.
- Unterwanderung der gewöhlichen Vorstellung von Sexualität in Bezug auf Objekt, Vorliebe, Ziel und Zweck.
- Ablehnung der Geschlechtskonstruktion als einer binären Struktur von zwei sich ausschliessenden Gegensätzen.
- Rasse: Als letzte Manifestation des Skandals des Begehrens nennt Flax das Fehlen der Auseinandersetzung der Psychoanalyse mit Rasse. (Anmerkung: Dieser letzte Punkt ist von grundlegend anderer Natur als die vorherigen, da es sich nicht um etwas handelt, das die Psychoanalyse aufdeckt, sondern vielmehr um eine Kritik an der Psychoanalyse.)
Was ich ausserdem interessant fand, war eine These die Flax im Hinblick auf sexuelle Identitäten formuliert:
[A]ngesichts der Labilität und der Zufälligkeit der Objektwahl hätte sich Freud gegen die gegenwärtige Tendenz gestellt, Identität durch die Objektwahl zu definieren oder zu stabilisieren. Er glaubte nicht, dass das Geschlecht unseres Sexualpartners bestimmend dafür ist, wer wir sind. (S. 71)
(Wobei ich hier spitzfindigerweise noch anfügen möchte, dass das Geschlecht eines Sexualpartners natürlich immer männlich ist ;-) ).
dlandert - 30. Mai, 19:25

