[>>]

Montag, 27. März 2006

Perspektiven und Forderungen

Lauretis sieht "Möglichkeiten der Handlungsfähigkeit und Selbstbestimmung" darin, dass sich "die soziale Repräsentation des Geschlechts [...] auf dessen subjektive Konstruktion [auswirkt], und umgekehrt [...] die subjektive Repräsentation – oder Selbstrepräsentation – des Geschlechts dessen soziale Konstruktion [beeinflusst]" (S. 67, kursiv von DL). Leider fehlt das konkrete Beispiel, um nicht zu sagen: die "Anleitung". Zweifellos ist es aber dieser Aspekt von Lauretis' Repräsentationsbegriff, an den Engel anknüpft.

Auf Seite 77 wird eine ähnliche Frage aufgeworfen, diejenige nach der Hegemonie der Diskurse: "Wie beeinflussen oder bewirken Veränderungen im Bewusstsein Veränderungen in den dominanten Diskursen?" Können Gegendiskurse, Gegenpraxen "ihrerseits dominant oder hegemonial werden? Und wenn ja wie?" Lauretis warnt jedoch, dass eine reine Umverteilung der Macht nicht ausreiche: "Ich glaube, dass wir, um zu einer anderen Vorstellung des Geschlechts [...] zu gelangen und um den Begriff neu und anders zu fassen, als es uns der patriarchalische Vertrag diktiert, den männlich ausgerichteten Bezugsrahmen verlassen müssen, in dem Geschlecht und Sexualität durch den Diskurs der männlichen Sexualität [...] reproduziert werden." (S. 78)

Lauretis kritisiert die bisherigen Auffassungen von Sexualität (und schliesst darin auch die der "Feministinnen der ersten Stunde um die Jahrhundertwende" ein), die alle zwischen männlicher und weiblicher Sexualität unterscheiden und Sex immer als "heterosexuellen Verkehr und vor allem Penetration" verstehen. Sie fordert darum mit Lucy Bland: "Die Verdrängung der Penetration aus dem Mittelpunkt des sexuellen Geschehens bleibt eine Aufgabe, der wir uns auch heute noch zu stellen haben" (Bland 1981: 67, zitiert nach Lauretis, S. 74). Mir hat sich hier die Frage gestellt, wie sich diese Forderung zu Preciados kontrasexuellem Manifest (dessen Kopien ich leider unverzeihlicherweise nicht mitgenommen habe...) verhält. Meine These: Während Lauretis/Bland die Dezentralisierung der Penetration fordern, unternimmt Preciado eine Dezentralisierung des Phallus (als nur einer von vielen Dildos) und der Vagina, stellt aber die Penetration als zentrales Element der Sexualität nicht in Frage. Bei ihr geht es also im Gegensatz zu Lauretis/Bland weniger um die Handlung als um den Ort der Sexualität.
(Wenn man sich das alles ausreichend lange überlegt, ist für eine überzeugte Queerfeministin bald keine sexuelle Handlung nirgends mehr ohne üblen Beigeschmack möglich – wobei totale Enthaltsamkeit ja ebenfalls wieder in einer bestimmten Auffassung von Sexualität verhaftet bleibt... Auswegslos also :-) )

Aktuelle Beiträge

Jane Flax: Der Skandal...
Jane Flax. Der Skandal des Begehrens: Psychoanalyse...
dlandert - 30. Mai, 19:25
Psychoanalyse
Da ich ja nicht die einzige bin, die sich dieses Semester...
dlandert - 30. Mai, 19:24
Hierzu noch ein Zitat...
Hierzu noch ein Zitat von Foucault, das ich schon lange...
dlandert - 30. Mai, 18:21
Der space-off
Hier nun noch ein Versuch der Annäherung an den Begriff...
dlandert - 11. Apr, 17:31
Ich bin natürlich auch...
Ich bin natürlich auch nicht sicher, inwieweit ich...
dlandert - 2. Apr, 18:22
Erstmal gratuliere zum...
Erstmal gratuliere zum Blog :-)! Könntest du Laureatis'...
barbara... - 2. Apr, 12:16
Organisatorisches
Ich habe nun meine Gedanken zu einem ersten Text, Technologie...
dlandert - 27. Mär, 00:26
Feministen und die lesbische...
Im letzten Teil ihres Textes, in dem Lauretis unter...
dlandert - 27. Mär, 00:18
Perspektiven und Forderungen
Lauretis sieht "Möglichkeiten der Handlungsfähigkeit...
dlandert - 27. Mär, 00:16
Kritik an Foucault
Foucault wird von Lauretis (obschon sie selbst mit...
dlandert - 27. Mär, 00:15

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Besprochene Texte


Antke Engel
Wie regiert die Sexualität? Michel Foucaults Konzept der Gouvernementaltiät im Kontext queer/feministischer Theoriebildung. In: Marianne Pieper und Encarnación Guitérrez Rodríguez (Hg.) Gouvernementalität. Ein sozialwissenschaftliches Konzept im Anschluss an Foucault. Frankfurt/New York 2003.

Teresa de Lauretis
Die Technologie des Geschlechts. (Original von 1987). In: Elvira Scheich (Hg.). Vermittelte Weiblichkeit. Feministische Wissenschafts- und Gesellschaftstheorie. 1996.

Links

Suche

 

Status

Online seit 7480 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 30. Mai, 19:25

Credits