Perspektiven und Forderungen
Lauretis sieht "Möglichkeiten der Handlungsfähigkeit und Selbstbestimmung" darin, dass sich "die soziale Repräsentation des Geschlechts [...] auf dessen subjektive Konstruktion [auswirkt], und umgekehrt [...] die subjektive Repräsentation – oder Selbstrepräsentation – des Geschlechts dessen soziale Konstruktion [beeinflusst]" (S. 67, kursiv von DL). Leider fehlt das konkrete Beispiel, um nicht zu sagen: die "Anleitung". Zweifellos ist es aber dieser Aspekt von Lauretis' Repräsentationsbegriff, an den Engel anknüpft.
Auf Seite 77 wird eine ähnliche Frage aufgeworfen, diejenige nach der Hegemonie der Diskurse: "Wie beeinflussen oder bewirken Veränderungen im Bewusstsein Veränderungen in den dominanten Diskursen?" Können Gegendiskurse, Gegenpraxen "ihrerseits dominant oder hegemonial werden? Und wenn ja wie?" Lauretis warnt jedoch, dass eine reine Umverteilung der Macht nicht ausreiche: "Ich glaube, dass wir, um zu einer anderen Vorstellung des Geschlechts [...] zu gelangen und um den Begriff neu und anders zu fassen, als es uns der patriarchalische Vertrag diktiert, den männlich ausgerichteten Bezugsrahmen verlassen müssen, in dem Geschlecht und Sexualität durch den Diskurs der männlichen Sexualität [...] reproduziert werden." (S. 78)
Lauretis kritisiert die bisherigen Auffassungen von Sexualität (und schliesst darin auch die der "Feministinnen der ersten Stunde um die Jahrhundertwende" ein), die alle zwischen männlicher und weiblicher Sexualität unterscheiden und Sex immer als "heterosexuellen Verkehr und vor allem Penetration" verstehen. Sie fordert darum mit Lucy Bland: "Die Verdrängung der Penetration aus dem Mittelpunkt des sexuellen Geschehens bleibt eine Aufgabe, der wir uns auch heute noch zu stellen haben" (Bland 1981: 67, zitiert nach Lauretis, S. 74). Mir hat sich hier die Frage gestellt, wie sich diese Forderung zu Preciados kontrasexuellem Manifest (dessen Kopien ich leider unverzeihlicherweise nicht mitgenommen habe...) verhält. Meine These: Während Lauretis/Bland die Dezentralisierung der Penetration fordern, unternimmt Preciado eine Dezentralisierung des Phallus (als nur einer von vielen Dildos) und der Vagina, stellt aber die Penetration als zentrales Element der Sexualität nicht in Frage. Bei ihr geht es also im Gegensatz zu Lauretis/Bland weniger um die Handlung als um den Ort der Sexualität.
(Wenn man sich das alles ausreichend lange überlegt, ist für eine überzeugte Queerfeministin bald keine sexuelle Handlung nirgends mehr ohne üblen Beigeschmack möglich – wobei totale Enthaltsamkeit ja ebenfalls wieder in einer bestimmten Auffassung von Sexualität verhaftet bleibt... Auswegslos also :-) )
Auf Seite 77 wird eine ähnliche Frage aufgeworfen, diejenige nach der Hegemonie der Diskurse: "Wie beeinflussen oder bewirken Veränderungen im Bewusstsein Veränderungen in den dominanten Diskursen?" Können Gegendiskurse, Gegenpraxen "ihrerseits dominant oder hegemonial werden? Und wenn ja wie?" Lauretis warnt jedoch, dass eine reine Umverteilung der Macht nicht ausreiche: "Ich glaube, dass wir, um zu einer anderen Vorstellung des Geschlechts [...] zu gelangen und um den Begriff neu und anders zu fassen, als es uns der patriarchalische Vertrag diktiert, den männlich ausgerichteten Bezugsrahmen verlassen müssen, in dem Geschlecht und Sexualität durch den Diskurs der männlichen Sexualität [...] reproduziert werden." (S. 78)
Lauretis kritisiert die bisherigen Auffassungen von Sexualität (und schliesst darin auch die der "Feministinnen der ersten Stunde um die Jahrhundertwende" ein), die alle zwischen männlicher und weiblicher Sexualität unterscheiden und Sex immer als "heterosexuellen Verkehr und vor allem Penetration" verstehen. Sie fordert darum mit Lucy Bland: "Die Verdrängung der Penetration aus dem Mittelpunkt des sexuellen Geschehens bleibt eine Aufgabe, der wir uns auch heute noch zu stellen haben" (Bland 1981: 67, zitiert nach Lauretis, S. 74). Mir hat sich hier die Frage gestellt, wie sich diese Forderung zu Preciados kontrasexuellem Manifest (dessen Kopien ich leider unverzeihlicherweise nicht mitgenommen habe...) verhält. Meine These: Während Lauretis/Bland die Dezentralisierung der Penetration fordern, unternimmt Preciado eine Dezentralisierung des Phallus (als nur einer von vielen Dildos) und der Vagina, stellt aber die Penetration als zentrales Element der Sexualität nicht in Frage. Bei ihr geht es also im Gegensatz zu Lauretis/Bland weniger um die Handlung als um den Ort der Sexualität.
(Wenn man sich das alles ausreichend lange überlegt, ist für eine überzeugte Queerfeministin bald keine sexuelle Handlung nirgends mehr ohne üblen Beigeschmack möglich – wobei totale Enthaltsamkeit ja ebenfalls wieder in einer bestimmten Auffassung von Sexualität verhaftet bleibt... Auswegslos also :-) )
dlandert - 27. Mär, 00:16

