Feministen und die lesbische Leserin
Im letzten Teil ihres Textes, in dem Lauretis unter anderem fordert, dass Frauen die "Arbeiten der männlichen Intellektuellen" kritisch lesen und neu schreiben sollen (S. 86), sowie dass neue Diskursräume geschaffen werden sollen (S. 87ff.), tauchen einige Punkte auf, bei denen ich Lauretis' Argumentation problematisch finde. So kritisiert sie beispielsweise die "jüngste Welle kritischer Schriften von Männern über den Feminismus [...] Männliche Philosophen, die schreiben wie eine Frau, männliche Kritiker, die lesen wie eine Frau [...]". Ihre Beurteilung davon: "Zum Grossteil [...] werten einige Arbeiten das feministische Projekt in der Wissenschaft per se nicht auf. Sie rechtfertigen allerdings bestimmte Positionen innerhalb des akademischen Feminismus; jene Positionen, die mit den persönlichen Interessen des Kritikers und den männlich ausgerichteten theoretischen Belangen oder beidem in Einklang stehen." (S. 83) Hier stellt sich die Frage, wer denn das Recht dazu hat, Feminist_In zu sein und wer bestimmen kann, welche Positionen förderungswürdig sind. Nur Frauen? Alle Frauen? (Ganz zu schweigen von der hier vollkommen ausgeklammerten Frage: Was ist eine Frau? Wer ein Mann?...).
Lauretis begründet ihre Bedenken (unter anderem) damit, dass, wie sie aus der Aufsatzsammlung Gender and Reading zitiert, Männer nicht bereit seien, Texte von Frauen zu lesen. Es folgt, mit Bezug auf eben diese Aufsatzsammlung, eine ausführliche Diskussion dazu, was es heisst, einen Text als Frau, bzw. als Lesbe zu lesen. Lauretis kritisiert Ansätze, die davon ausgehen, dass beispielsweise auch ein Mann einen Text 'als Lesbe' lesen kann und findet, dass sie "die [...] Annahme, dass Lesben anders als heterosexuell orientierte Frauen und Männer lesen, für richtig halte;" (S. 84) Doch wer ist diese Lesbe, die da liest? Lesen alle Lesben gleich? Welche Texte liest 'die Lesbe' auf welche Weise anders als 'der Schwule', 'die heterosexuelle Frau', 'der heterosexuelle Mann', ... ? Diese Fragen werden leider komplett ausgeblendet. Irritierend finde ich diese Annahme einer homogenen (lesbischen) Identität insbesondere deshalb, weil Lauretis selbst in der Einleitung ihres Textes sowohl die Bedeutung der Unterschiede der Frauen untereinander, als auch der Widersprüchlichkeit des Subjekts durch die Zugehörigkeit zu einer Vielzahl von 'Klassen' betont. Und auch auf Seite 87 schreibt sie von einem "Subjekt, das sich über eine Vielzahl von Differenzen in diskursiver und materieller Heterogenität [konstituiert]." Das so beschriebene widersprüchliche Subjekt steht m. E. in einem Widerspruch zu der Auffassung, dass es 'die Frau' oder 'die Lesbe' gibt, die eine bestimmte andere Lesart haben soll (und sich somit wohl dafür qualifiziert, Feministin sein zu können).
Ähnliche Kritik übt auch Engel an Lauretis, wenn sie ihr vorwirft, die Geschlechterbinarität nicht infrage gestellt zu haben: "[Lauretis geht] darauf ein, dass geschlechtliche und sexuelle Subjektivitäten sowie die soziale Organisation von Sexualität durch die Kategorien 'Rasse' und 'Ethnie' differenziert sind. Sie zieht hieraus jedoch nicht die Konsequenz, dass es eine universelle und einheitliche Kategorie 'Geschlecht' nicht geben kann [...]". (WdE, S. 59)
Lauretis begründet ihre Bedenken (unter anderem) damit, dass, wie sie aus der Aufsatzsammlung Gender and Reading zitiert, Männer nicht bereit seien, Texte von Frauen zu lesen. Es folgt, mit Bezug auf eben diese Aufsatzsammlung, eine ausführliche Diskussion dazu, was es heisst, einen Text als Frau, bzw. als Lesbe zu lesen. Lauretis kritisiert Ansätze, die davon ausgehen, dass beispielsweise auch ein Mann einen Text 'als Lesbe' lesen kann und findet, dass sie "die [...] Annahme, dass Lesben anders als heterosexuell orientierte Frauen und Männer lesen, für richtig halte;" (S. 84) Doch wer ist diese Lesbe, die da liest? Lesen alle Lesben gleich? Welche Texte liest 'die Lesbe' auf welche Weise anders als 'der Schwule', 'die heterosexuelle Frau', 'der heterosexuelle Mann', ... ? Diese Fragen werden leider komplett ausgeblendet. Irritierend finde ich diese Annahme einer homogenen (lesbischen) Identität insbesondere deshalb, weil Lauretis selbst in der Einleitung ihres Textes sowohl die Bedeutung der Unterschiede der Frauen untereinander, als auch der Widersprüchlichkeit des Subjekts durch die Zugehörigkeit zu einer Vielzahl von 'Klassen' betont. Und auch auf Seite 87 schreibt sie von einem "Subjekt, das sich über eine Vielzahl von Differenzen in diskursiver und materieller Heterogenität [konstituiert]." Das so beschriebene widersprüchliche Subjekt steht m. E. in einem Widerspruch zu der Auffassung, dass es 'die Frau' oder 'die Lesbe' gibt, die eine bestimmte andere Lesart haben soll (und sich somit wohl dafür qualifiziert, Feministin sein zu können).
Ähnliche Kritik übt auch Engel an Lauretis, wenn sie ihr vorwirft, die Geschlechterbinarität nicht infrage gestellt zu haben: "[Lauretis geht] darauf ein, dass geschlechtliche und sexuelle Subjektivitäten sowie die soziale Organisation von Sexualität durch die Kategorien 'Rasse' und 'Ethnie' differenziert sind. Sie zieht hieraus jedoch nicht die Konsequenz, dass es eine universelle und einheitliche Kategorie 'Geschlecht' nicht geben kann [...]". (WdE, S. 59)
dlandert - 27. Mär, 00:18

