Inhalt und Aufbau von "Technologie des Geschlechts"
In der Einleitung erläutert Lauretis zunächst ihre Auffassung des Begriffs gender, insbesondere in Bezug auf die sexuelle Differenz. Sie stellt fest, dass gender oftmals als sexuelle Differenz verstanden worden ist, sich daraus Vorstellungen wie "Frauenkultur, Mutterschaft, weibliches Schreiben, Feminität etc." abgeleitet haben, dieses Verständnis allerdings Einschränkungen (für den Feminismus) bedeutet. Die erste Einschränkung besteht gemäss Lauretis darin, dass die sexuelle(n) Differenze(n) "kritisches feministisches Denken im begrifflichen Rahmen eines universalen Geschlechtergegensatzes gefangenhält [...], der die Artikulation der Unterschiede [...] der Frauen untereinander erschwert, wenn nicht gar unmöglich macht." (S. 58) Die zweite Einschränkung sieht sie in der Tendenz, "die radikalen epistemologischen Potentiale des feministischen Denkens" einzudämmen, die darin bestehen, das Subjekt als nicht einheitlich sondern durch sein "Erleben von ethischer Zugehörigkeit, Klassenlage wie auch von sexuellen Beziehungen" vielseitig und widersprüchlich zu verstehen. Lauretis fordert darum: "Es bedarf der Auflösung und Dekonstruktion dieser Bindung, dieses Ineinanderaufgehens von sozialem Geschlecht und sexuelle(r) Differenz(en)." (S. 59)
Ihr Ansatz besteht darin, im Anschluss an Foucaults "Technologie des Sexes" eine Technologie des Geschlechts zu entwerfen, was bedeutet "dass das Geschlecht, sowohl als Repräsentation wie als Selbstrepräsentation, ebenfalls ein Produkt verschiedenster sozialer Technologien wie Kino und institutionalisierter Diskurse, Erkenntnistheorien, kritischer Praxisformen und auch von Alltagspraxis ist." (S. 59)
Anschliessend stellt sie vier Behauptungen auf, auf welche sie im restlichen Text eingehen will. Dies sind (gekürzt):
Ihr Ansatz besteht darin, im Anschluss an Foucaults "Technologie des Sexes" eine Technologie des Geschlechts zu entwerfen, was bedeutet "dass das Geschlecht, sowohl als Repräsentation wie als Selbstrepräsentation, ebenfalls ein Produkt verschiedenster sozialer Technologien wie Kino und institutionalisierter Diskurse, Erkenntnistheorien, kritischer Praxisformen und auch von Alltagspraxis ist." (S. 59)
Anschliessend stellt sie vier Behauptungen auf, auf welche sie im restlichen Text eingehen will. Dies sind (gekürzt):
- Das Geschlecht, gender, ist (eine) Repräsentation.
- Die Repräsentation des Geschlechts ist seine Konstruktion.
- Die Konstruktion des Geschlechts geht heute noch ebenso geschäftig von statten wie in früheren Zeiten, und zwar auch an den Hochschulen und auch, sogar ganz besonders, im Feminismus.
- Paradoxerweise wird die Konstruktion des Geschlechts unter anderem von seiner Dekonstruktion in Gang gesetzt.
dlandert - 27. Mär, 00:10


Könntest du Laureatis' Forderung noch etwas ausführlicher erklären? Wie genau soll die Bindung zwischen sozialem Geschlecht und sexueller Differenz aufgelöst werden, bzw. inwiefern ist diese Bindung problematisch?
Ich verstehe den Punkt, dass durch die Betonung von sexueller Differenz Unterschiede zwischen Frauen ausgeblendet werden. Ich verstehe auch, dass es die Tragweite feministischer Theorie einschränkt, wenn das Geschlecht das Subjekt nur in Interaktion mit anderen Variablen (ethnische Zugehörigkeit etc.) bestimmt (da bin ich aber schon nicht mehr sicher, ob ich sie richtig verstehe/interpretiere). ME ist der zweite Punkt eine Antwort auf den ersten - es wird nun eben nicht mehr nur die sexuelle Differenz betont, sondern auch andere identitätskonstituierende Faktoren.
Aber was genau hilft es da, wenn die Bindung zwischen sozialem Geschlecht und sexueller Differenz aufgelöst wird - bzw. wie würde das funktionieren?
(ich habe etwas Mühe, reinzukommen - das ist mir alles etwas zu abstrakt, und ich kann die Aspekte, die du in den späteren Posts ausführst, nicht wirklich zusammensetzen. Und scheinbar löst Laureatis ihren Anspruch ja beim für mich zugänglichsten Bereich, beim Lesen (da gibts in der Literaturwissenschaft ja eine ähliche Diskussion) nicht ein, weil sie gerade da wieder in die eindeutige Geschlechterbinarität zurückfällt (bzw. ja eher 'Geschlechtervierheit', da auch die sexuelle Orientierung mit einbezogen wird - es gäbe dann lesbische, schwule sowie heterosexuelle weibliche und männliche Lesende mit einer je deutlich unterschiedlichen Perspektive).)
Ich stimme dir zu, dass das Problem mit ihrem Text ist, dass sie zwar in der Einleitung diese Auffassung von gender theoretisch entwirft, sich allerdings in ihrer weiteren Argumentation selbst nicht daran hält und wieder in die alten Vorstellungen von homogenen Geschlechts- und sexuellen Identitäten verfällt.
Dass die in den verschiedenen Posts dargelegten Aspekte nicht wirklich zusammenhängen, ist eine absolut berechtigte Feststellung. Einerseits fehlt mir ein ausreichend tiefgehendes Verständnis und der nötige Überblick über den Text, andererseits hatte ich auch wirklich Mühe, einen durchgehenden 'roten Faden' zu finden, was evt. zumindest teilweise am Text selbst liegen könnte... Darum habe ich einzelne unzusammenhängende Aspekte rausgepickt, die mir helfen den Text in einen Kontext von dem, was ich sonst schon gelesen habe, einzuordnen. An den space offs bin ich übrigens nach wie vor gescheitert, weil ich noch nicht einmal rausfinden konnte, was das in der Filmtheorie genau ist, geschweige denn wie sie dieses Konzept nun im übertragenen Sinn verwendet.